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Die Besetzung Zweibrückens durch Gallas und seine Truppen

Nachdem der kaiserliche Generalleutnant Matthias Gallas, der Nachfolger Wallensteins, am 17. Juli 1635 bei dem Ansturm auf Zweibrücken noch am schwedischen Oberst Reinhold von Rosen (Von Rosenstraße) verlustreich gescheitert war, kam er drei Monate später im Oktober mit einer noch gewaltigeren Heeresmacht zurück und schlug abermals auf dem Kreuzberg seine Zelte auf. Dieses Mal hatte die Stadt einen französischen Befehlshaber, der gegen freies Geleit seiner Truppen die Stadt kampflos übergab.

Nachdem Gallas und seine kaiserlichen Truppen die Stadt übernommen haben, begannen diese direkt die gesamte Stadt zu durchsuchen. Die Bewohner waren sehr verängstigt, weil sie nicht wussten, was nun auf sie zukommt. Sie sperrten sich in ihren Häusern ein, wer sich auf der Straße aufhielt, wurde direkt misshandelt oder erschlagen. Innerhalb weniger Stunden zerstörten sie das gesamte Schloss (das erste Zweibrücker Schloss – Wolfgangs Bau), keine Tür und kein Fenster blieben heil. Bewegliche Dinge beschlagnahmte der von Gallas damit beauftragte Kommandant Moriam, der Rest wurde zerstört. 17 Kisten mit herzoglichen Schätzen, die sie entdeckten, wurden untereinander aufgeteilt. In der herzoglichen Bibliotheca Bipontina vernichteten sie den größten Teil des Bestandes, worunter sich unter anderem 25 von Herzog Johann I. geschriebene Bände befanden. Nur wenige Bücher überstanden die Zerstörung, die meisten wurden zerrissen und in den Pferdeställen als Strohersatz auf dem Boden verteilt. In der Alexanderkirche entdeckten sie die herzogliche Gruft, die aufgebrochen und durchsucht wurde. Die Särge wurden geöffnet und die Gebeine herum geworfen, die kostbaren Grabbeigaben der Herzöge geraubt! Nachdem die Truppe den Rest der Kirche auch zerstört hatte, rissen sie sogar noch das Blei vom Kirchendach.

Nachdem alle herzoglichen Bauten durchsucht waren, brachen sie in die Wohnhäuser ein, um diese auch noch zu plündern. Die Bewohner wurden so lange misshandelt bis sie ihre versteckten Wertgegenstände oder Lebensmittel heraus gaben, viele bekamen sogar Finger abgeschnitten an denen ein Ring steckte, um an diesen heranzukommen. Selbst das letzte Stückchen Brot wurde ihnen genommen und es fanden ständig Nachsuchungen statt! Als wäre das nicht schon genug gewesen, zerstörten sie im eisigen Winter auch noch den Bewohnern ihre Fenster und Türen, zusätzlich entfernten sie die Öfen aus den Häusern. Die Zerstörungen sollten kein Ende nehmen, Moriam ließ die Stadtmauer niederreißen, wodurch viele daran angebaute Häuser zerstört wurden. Viele Bewohner, die bis dahin hinter der Stadtmauer gefangen waren, konnten so die Flucht ergreifen, die meisten wurden aber wieder von außerhalb positionierten Wachen eingefangen und zurück in die Stadt gebracht. Anschließend brannten sie das Rat- und Amtshaus, die Münzerei, das Gymnasium und viele weitere Gebäude bis auf die Grundmauern nieder. Auch die Apotheke und das Spital wurden geplündert und zerstört, selbst vor dem Friedhof machten die kaiserlichen Truppen nicht halt! Insgesamt wurden 130 Gebäude komplett zerstört, 25 schwer beschädigt. Auch die umliegenden Dörfer wurden nacheinander überfallen, beraubt und zum Teil zerstört.

Die Misshandlungen an der Bevölkerung wurden mit der Zeit immer schlimmer. Die Bewohner, bei denen sie trotz den vorherigen Durchsuchungen noch immer etwas Wertvolles vermuteten, steckten sie in kochendes Wasser oder in glühende Öfen bis sie ihr letztes Geheimnis preisgaben oder verstarben. Einigen Bürgern brannten sie Gliedmaßen am Körper ab, stießen ihnen glühendes Eisen in den Mund, schlugen ihnen Eisennägel in die Schultern oder schnitten ihnen die Fußsohlen auf und gossen geschmolzenes Blei hinein! Manche wurden bei lebendigem Leib verbrannt, unter anderem mit zusammengebundenen Händen und Füßen wie ein Kessel im Kamin aufgehängt. Andere wurden mit einer Kette über einer Feuerstelle befestigt und stundenlang von der einen Seite zur anderen geschaukelt bis sie ihren Qualen erlagen. Auch der sogenannte Schwedentrunk war eine im Dreißigjährigen Krieg recht häufige Misshandlungsart, bei der die Opfer durch einen Trichter Jauche, Fäkalien oder andere Flüssigkeiten in den Mund eingeführt bekamen, wodurch diese schwer erkrankten oder gar starben! Junge Mädchen und Frauen, selbst Schwangere wurden oft auf übelste Weise geschändet. Säuglingen wurde der Kopf gespalten, der Hals umgedreht oder an den Füßen genommen und an eine Wand geschlagen.

Drei Jahre lang besetzten die kaiserlichen Truppen die fast komplett zerstörte Stadt, erst nachdem die Pest unter den wenigen noch lebenden Bürgern ausbrach, verließen sie Zweibrücken wieder. Bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges am 24.10.1648 wurden die Reste der Stadt noch mehrfach von anderen Kriegstreibern heimgesucht. Rund 90 % der pfälzischen Bevölkerung wurde während diesem Krieg getötet, in Zweibrücken lebten damals nur noch wenige Familien.