zw1.jpgzw10.JPGzw2.JPGzw3.jpgzw4.JPGzw5.jpgzw6.JPGzw7.JPGzw8.jpgzw9.jpg

„Wir pflanzen der Freiheit, das Vaterland auf!“

Wie ein Donnerhall werden unsere Worte durch die ganze Pfalz ziehen, sagte Philipp Jakob Siebenpfeiffer auf dem Festbankett des Landtagsabgeordneten Friedrich Schüler aus Kaiserslautern und prostete seinen Mitbegründern Johann Georg August Wirth und Schüler des soeben entstandenen deutschen Vaterlandsvereins zur Unterstützung der freien Presse, später kurz Preßverein genannt, zu.

So oder ähnlich, muss es sich am Sonntag, den 29. Januar 1832 im Wirtshaus Ladenberger in Zweibrücken Bubenhausen, heute Friedrich-Ebert-Str. 63, in dem Gebäude sich die West-Apotheke befindet, zugetragen haben.

In den drei letzten Jahren streckte die kleine Eiszeit nochmal ihre frostigen Krallen auch nach Deutschland aus, was von 1829 bis 1832 zu sehr strengen Wintern und den darauf folgenden Missernten im Sommer führte. Der Glanz des herzoglichen Zweibrücker Hofes war nach der Eroberung durch napoleonische Truppen schon lange erloschen und die Industrialisierung steckte noch in ihren Kinderschuhen, sodass die Bevölkerung zu über 80% auf die Einnahmen ihrer Agrarwirtschaft angewiesen war. Die Preise in diesen drei Jahren stiegen um 40% und die steuerliche Belastung wurde von Jahr zu Jahr größer.

Nach dem Beschluss vom Wiener Kongress 1815 musste Frankreich 1816 den Rheinkreis, abgesehen vom Elsass, wieder an die Wittelsbacher dem damals in Zweibrücken herrschenden Herzoggeschlecht zurückgeben.

Um die Rechte, die sie als Teil der Französischen Republik erworben hatten behalten zu können, mussten alle Bewohner des Rheinkreises extra Steuern nach München zahlen, damit Ludwig I., König von Bayern, die erhobenen Kriegszahlungen an Louis-Philippe I., König von Frankreich, leisten konnte.

Armut machte sich in Zweibrücken breit, sodass die Bevölkerung Hunger litt und in den Wintern zahlreiche Menschen erfroren. Jeder 5. Bewohner wurde wegen Forstfrevels (illegales Sammeln von Holz im Wald) verurteilt und eingesperrt.

Inspiriert von der Französischen Revolution und den erworbenen Rechten während der französischen Besatzung des Rheinkreises reifte an diesem Abend zu dem die Idee ein großes Nationalfest abzuhalten, bei dem Siebenpfeiffer unter anderem ein Aufrufen zur Bildung eines Bundes der Patrioten starten wollte. Da Siebenpfeiffers Mitstreiter in Kaiserslautern und Homburg wohnten, traf man sich fortan in regelmäßigen Abständen im Wirtshaus Ladenberger in Bubenhausen.

Nachdem Siebenpfeiffers Zeitung „Der Westbote“ schon vor einigen Monaten von der Regierung verboten wurde, traf es Wirth im März mit seiner Zeitung „Deutsche Tribüne“, die beim Volk berühmt, aber beim Adel berüchtigt war, ebenso. Das war letztendlich der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Noch im selben Monat trafen sich Siebenpfeifer, Wirth und Schüler wieder in Bubenhausen und fassten den Beschluss vom 27. Mai bis 1. Juni unterhalb der Ruine des Hambacher Schlosses ein riesen Fest abzuhalten und dort ihrem Ruf nach Pressefreiheit und Demokratie Gehör zu verschaffen.

Von nun an galt es, so viele Einladungen wie möglich zu verschicken, allein der neu gegründete Preßverein hatte in kürzester Zeit 5000 Mitglieder. Während Schüler und Wirth im Wirtshaus Ladenberger zahllose Einladungen kuvertierten, arbeitete Siebenpfeiffer an seiner Festhymne, mit der er die Leute beim Hambacher Fest begeistern wollte. Zur Untermalung seiner Worte wählte er Friedrich Schillers Melodie vom Reiterlied.

Hinauf, Patrioten, zum Schloß, zum Schloß! Hoch flattern die deutschen Farben:

Es keimet die Saat und die Hoffnung ist groß, Schon binden im Geiste wir Garben:

Es reifet die Ähre mit goldenem Rand, Und die goldne Ernt’ ist das – Vaterland.

Wir sahen die Polen, sie zogen aus, Als des Schicksals Würfel gefallen;

Sie ließen die Heimat, das Vaterhaus, In der Barbaren Räuberkrallen:

Vor des Zaren finsterem Angesicht Beugt der Freiheit liebende Pole sich nicht.

.....

Auch wir, Patrioten, wir ziehen aus In festgeschlossenen Reihen;

Wir wollen uns gründen ein Vaterhaus, Und wollen der Freiheit es weihen:

Denn vor der Tyrannen Angesicht Beugt länger der freie Deutsche sich nicht.

Was tändelt der Badner mit Gelb und Rot, Mit Weiß, Blau, Rot Bayer und Hesse?

Die vielen Farben sind Deutschlands Not, Vereinigt’ Kraft nur zeugt Größe:

D’rum weg mit der Farben buntem Tand! Nur eine Farb’ und ein Vaterland!

 Da das Treiben, das von Bubenhausen ausging, in München am königlichen Hof nicht lange unentdeckt blieb, versuchte man mit allerlei Verboten das Fest zu verhindern. Doch je mehr das Königshaus gegen die Veranstaltung votierte, umso größer wurde das Interesse in der Bevölkerung, was dazu führte, dass sich zum Hambacher Fest mehr als 30.000 Besucher und Redner aus dem ganzen Land einfanden.

Wenn man sich die damalige Zeit vor Augen ruft, in der Briefe noch mit der Postkutsche und Kurierreitern im Land verteilt wurden, kann man sich vorstellen, was für eine immense Leistung dahinter gesteckt haben muss, in nur wenigen Wochen ein Fest dieser Größenordnung auf die Beine zu stellen.

Wie sich Siebenpfeiffer gefühlt hat, als er aus Tausenden Kehlen seine Hymne auf dem Hambacher Festplatz hörte, ist nicht überliefert, aber eins ist gewiss: Ohne das Engagement und der vereinte Drang nach Freiheit wäre heute vieles anders in unserem Land

In Zweibrückens Vorort Bubenhausen im Wirtshaus Ladenberger wurde aus einer fantastischen Idee dreier Kämpfer für mehr Freiheit und Demokratie das, was wir heute Bundesrepublik Deutschland nennen.

Kein Geringerer als Heinrich Heine, der aus der Entfernung die Entwicklung in Zweibrücken beobachtete, schrieb aus seinem Exil in Frankreich folgende Worte:

„Man glaubte ganz sicher, daß die deutsche Revolution in Zweibrücken beginnen würde, und alles war dort reif zum Ausbruch“.

 

 Siebenpfeiffer

Philipp Jakob Siebenpfeiffer

 Wirth

Johann Georg August Wirth

 Schüler

Fridrich Schüler

 

 Wirtshaus

          Ehemaliges Wirtshaus Ladenberger

Schloss

                 Marsch aufs Hambacher Schloss